Lysser Chronik 2018: Henä – der Liedermacher

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Mit seinem Album «Weniger isch meh» knüpft Heinrich Müller, alias Henä, an den Erfolg seines Debutalbums «Mängisch» an. Gespannt darf man auf weitere Songs des Liedermachers aus Busswil sein.

Aus dem Radio ist zu hören: «… muess nid immer aues wüsse …», und dann kurze Zeit später: «Es isch nid jede so schlau wie dr Da Vinci!» Die einfachen Melodien und der lyrische berndeutsche Text laden ein, weiter zuzuhören. Die Stimme gehört Heinrich Müller, in der Szene besser bekannt als Henä. In letzter Zeit ist er immer wieder im Radio zu hören. Ist er der neue Gölä? Er lässt sich jedoch nicht gerne mit anderen vergleichen, denn er sei ganz einfach Henä, der Musik mache, um der Musik willen, wobei sein Herz eindeutig beim Mundartrock liege. Zu seinen Vorbildern, die er aber nicht einfach kopieren will, zählen alle bekannten berndeutschen Liedermacher, allen voran der Urvater Mani Matter, aber auch Peter Reber, Polo Hofer und Büne Huber haben es ihm angetan. In Henä und seine Band aus Busswil / Lyss 34 Personen sein erstes Soloalbum fanden jedoch auch zwei französische Chansons Einzug, und er schliesst für ein neues Album englische Songs nicht aus, wenn sie denn dazu passen würden. Henä will mit seinen Liedern weder anklagen, provozieren noch Politik machen. Er besingt den gewöhnlichen Alltag und versucht dabei, die Dinge positiv zu sehen.

Spätzünder

Henä hat schon früh seine Liebe zur Musik entwickelt. Als «chline Stünggu» habe er jeweils vor dem Fernseher begeistert mit einem mikrofonähnlichen Gegenstand zur ZDF-Hitparade mitgesungen. Die Musik habe ihn seither stets begleitet, sich jedoch auf die private Sphäre beschränkt. Öffentlich tritt der heute 48-Jährige erst seit etwas über zehn Jahren auf – seit er bei einem Auftritt vor Publikum Gefallen am Applaus fand. Zunächst trat er als Mitglied diverser Bands auf, ehe er 2016 seine eigene Band gründete. «Zaubermond» und «Trottoir» waren dabei die wichtigsten Stationen. Der «harte Kern» dieser Gruppe sei heute noch zusammen. Seit jeher war er der treibende Kopf. Mit seinem ersten Album «Mängisch » landete er gleich auf Platz 8 der Charts. Darüber habe er eine «Schissfröid» gehabt, die ihn zum Weitermachen animiert habe. Nun wurde mit «Weniger isch meh» bereits das zweite Album herausgegeben, welches in den Charts sogar auf Platz 6 vorstiess. Die Band umfasst zusammen mit Henä und seiner Frau Joëlle, die in Busswil aufwuchs, acht weitere Mitglieder, die meisten aus Busswil oder Lyss. Reich werde man aber nicht, Musik machen sei eher ein Hobby.

Exaktheit ist gefragt

In Seftigen aufgewachsen, zog es Henä bereits mit 16 Jahren nach Basel, wo er eine Lehre als Chemielaborant in analytischer Richtung absolvierte. Er bildete sich in den USA weiter und spezialisierte sich auf Massenspektrometer. Diese Geräte werden beispielsweise in der Pharmazie und in der Forensik eingesetzt, um organische Moleküle analysieren zu können. Die Exaktheit, die in seinem Beruf notwendig ist, stehe in keiner Weise Liedermacher mit Herzblut 35 Personen im Widerspruch zu seiner Musik, die oftmals die Unvollkommenheit des Alltags thematisiert. Henä betont, wenn es darum gehe, zu üben oder gar ein neues Album aufzunehmen, dulde er keine halben Sachen, dann erwarte er von allen Pünktlichkeit und vollen Einsatz. Gerade deshalb könne er auch nicht mit irgendjemandem zusammen musizieren. Auf der Bühne ist er gerne eine «Rampensau», im Studio aber ein Perfektionist.

Ein neuer Song entsteht

Der Liedermacher benutzt den Keller seines Einfamilienhauses in Busswil, das er zusammen mit seiner Frau und seinen drei Jungs bewohnt, um kreativ zu sein. Gemeinsam sammelt er mit seinen Kollegen Ideen für Texte und Melodien. Alles werde sogleich aufgenommen, damit nichts verloren gehe und später daran weitergearbeitet werden könne. Als 2013 in Biel das Eidgenössische Turnfest stattfand, vertonte der begeisterte Turner Henä zusammen mit «Trottoir » das Turnerlied von Wilhelm Hauff (1802 – 1827) neu. Seine Kollegen standen dem Projekt zuerst kritisch gegenüber, schliesslich gefiel die rockige Mundartversion «Turnerluscht» aber doch einem breiten Publikum. Nun steht die Fussballweltmeisterschaft vor der Tür, für den ebenfalls begeisterten Fussballer Henä eine passende Herausforderung, um eine WMHymne zu komponieren. Gespannt darf man auf weitere Kompositionen sein.

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